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Genossenschaften Probleme bei der Umgründung

Autor Christian Booß

Gesendet in ORB-Klartext 1998


Der König von Zossen-Probleme bei der Umgründung von Genossenschaften

 

 

O-Ton Max Böhm, Bauer: Guten Tag

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Auf seinem Hof in Blankenfelde hat Bauer Max Böhm noch genug zu tun. Der Rentner könnte jede Mark für die Instandsetzung gebrauchen.

 

O-Ton Max Böhm, Bauer: Am Haus alles Risse.

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Auch sein Nachbar Rolf Krüger hat viel Arbeit, nicht nur für sein Hobby, die Brieftauben. Er hat schon ein Grundstück verkaufen müssen, um die Umbauten zu finanzieren.

 

O-Ton Rolf Krüger: Nur vom Lohn ist das nicht zu bezahlen.

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Die beiden hoffen auf die Abfindungen aus der LPG. Von der ist nur noch ein Schild geblieben. Sie wurde liquidiert. Das ist die Aufgabe des Liquidators. Er soll das LPG Vermögen an die Bauern verteilen. Doch es geht nicht voran. Die Bauern haben einen Widersacher.

 

O-Ton Max Böhm: Der nennt sich Kommunist, aber bedient sich am Volk.

 

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Das ist der Gescholtene. H.L.. Eine Art „Baron von Zossen“. In der Wende Übergangslandrat. Dann Aufsichtsrat der Raiffeisenbank. Schließlich Vorsitzer des DRK. Vor allem aber Betriebsleiter jetzt und schon früher. Da leitete er am Bahnhof Dabendorf das ACZ, das Agrochemische Zentrum, das Dünger an die LPGn verteilte.

 

Das ACZ hatten die LPGn als Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Die LPGn hatten den Aufbau finanziert.Nach der Wende übernahm L. alles. Die LPGn stiegen aus. Das Vermögen des ACZ, musste abgeschätzt, die LPGn entsprechend ihrem Anteil ausgezahlt werden. Doch da gab es Probleme:

 

O-Ton Dr. Joachim Wichmann. Wir kannten die Höhe des Eigenkapitals nicht, weil Bilanz gesetzeswidrig vorenthalten

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L. überwies des Bauern von Mahlow-Blankenfelde einfach 105.560 DM. Das war nur so viel, wie sie in Mark der DDR einmal eingezahlt hatten.

Die Bauern vermuten, dass ihr Anteil am Gesamtvermögen zur Wende 3 mal so viel wert war, genau darum geht der jahrelange Streit.

 

O-Ton Max Böhm, Bauer: Wir wollen nicht aufgeben trotz langer Zeit.

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Der Verdacht: Der alte Chef habe das Vermögen  runter gerechnet, um den Bauern möglichst wenig auszahlen zum müssen. Und das mit Bilanztricks.

 

Beispiel 1: Dieser Gleisanschluß mit Kran. L. schätzte die Anlage auf 1/2 Million. Laut einem gerichtlich bestellten Gutachten ist sie rund 250.000,- DM mehr wert.

 

Beipiel 2: Zu DDR-Zeiten förderte das ACZ aus dem Rangsdorfer See Schlamm, als Dünger für die LPGn. L. minderte das ACZ Vermögen auf dem Papier um 1,7 Millionen. Angeblich zur Sanierung des Sees, zur kostspieligen Entsorgung des Seeschlamms. Doch aus dem Seeschlamm wurde wertvoller Dünger, das sagen jedenfalls die Bauern:

 

O-Ton Rolf Krüger, Bauer: In Wirklichkeit hat er ihn erlösbringend verkauft.

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Auch der See wurde nicht, wie von L.behauptet, auf ACZ-Kosten saniert -so das Gutachten.

 

O-Ton Dr. Joachim Wichman: Wir wurden um 1,7 Millionen betrogen.

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Beispiel 3: Derartige LKW Marke W 50 wurden von L. dutzendweise mit 1 Mark bewertet. Offenbar zu gering geschätzt. Faktisch waren sie noch jahrelang in Betrieb. Manche wurden sogar gewinnbringend verkauft. Einer laut Kaufvertrag für 17.100 DM.

 

Beispiel 4: L. kaufte nach der Wende mehrere Grundstücke von der Treuhand. Die daraufstehenden ACZ-Gebäude bewertet er heute mit Null. Die Eigentumsfrage sei angeblich ungeklärt, wie bei diesem Wohnhaus.

 

O-Ton Joachim Wichmann, Liquidator: Ein ganz mieser Trick dies als wertlos zu bezeichnen. Das gehört letztlich den Bauern.

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Mit der Klartext-Redaktion will L.zum dem Vorwurf, er habe auf Kosten der Bauern seine Firmengruppe gemehrt, nicht sprechen. Er setzt offenbar auf Zeit und auf die komplizierte Beweislage. Denn L. hat nach der Wende rund ein Dutzend Firmen gegründet. Überall steckt ACZ-Vermögen darin. Ein Teil dieses schier undurchschaubaren Firmengeflechtes präsentiert sich öffentlich als Dabendorfer Fußballsponsoren.

 

O-Ton Max Böhm, Bauer: Der hat was zu verbergen.

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3 Jahre bis zum Oberlandesgericht mussten die Bauern klagen, allein um die Bilanzen zu sehen. Kein Einzelfall.

 

Die Auflösung zahlreicher LPG-Gemeinschaftsunternehmen beschäftigt noch lange die Juristen:

 

-Bei der ZBO Landbau Strausberg sind Belege verschwunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auch ein Betrieb, der LPGn gehörte.

 

-Ebenso die ZGE Düngestoffe Großkreuz. Auch hier gibt es Klagen zur Akteneinsicht. Der Fall liegt unerledigt bei der Generalstaatsanwaltschaft.

 

Ein renommierter Rechtsanwalt hat Mitte der 90er Dutzende solcher Betriebe untersucht.

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Nicht nur die Bauern von Blankenfelde haben bei der Vermögensauseinandersetzung noch einen langen Weg vor sich.

                                                               

 


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